Lebensraum-Preis 2001
Laudatio für Max Bütler

Von Paul Huber, Regierungsrat


Lieber Max, liebe Jeanette, Charlotte und Manuela
Liebe Freunde des Preisträgers
Geschätzte Damen und Herren

Der Mensch habe seine Wurzeln in der Gemeinde. Dort sei der Ort, wo er in einer globalisierten Welt Heimat finde. Und deshalb sei die Gemeindereform der Luzerner Regierung ein fragwürdiges und gefährliches Unterfangen.
Diese Meinung vertreten nicht wenige BürgerInnen und Bürger, vor allem aber auch gewählte Behördemitglieder und viele GemeindeschreiberInnen. 
Solche Einwände verunsichern mich auch nach vier Jahren Gemeindereform noch immer. Und das ist gut so.
Sie zwingen mich zum Nachdenken. Geht Wichtiges verloren? Opfern wir auf dem Modernisierungsaltar für die Gestaltung unserer Zukunft unabdingbare Substanz, wenn zwei oder gar drei Gemeinden sich vereinigen? Vielleicht durch neue politische Rahmenbedingungen gezwungen werden, diesen radikal erscheinenden Schritt zu tun? Schwinden Bürgersinn und fördern wir eine Gesellschaft ohne Wurzeln und ohne Verantwortung für die Gemeinschaft?

Meine Antwort ist nein, aber lassen wir diesen Punkt einmal offen.
Denn eigentlich warten Sie ja auf eine Laudatio. Die Lobrede auf einen Mann, dessen Wirken ich seit Jahren aus Halbdistanz verfolge. Max Bütler. 

Als ich die Anfrage bekam, ob ich anlässlich dieser Preisverleihung eine kurze Rede halten wolle, habe ich sofort ja gesagt. Ich konnte mir, der ich bei der Errichtung dieser Stiftung und bei der Formulierung des Stiftungszwecks seinerzeit beratend beigezogen worden war, fast keine optimalere Wahl vorstellen. Max Bütler verkörpert für mich genau das, was man mit diesem Preis seinerzeit bezweckte. Menschen zu belobigen, die mit ihrem Einsatz Spuren in der Gesellschaft hinterlassen und an dem nie vollendeten Werk, unseren Lebensraum für alle Geschöpfe lebenswert zu erhalten, lebenswerter zu machen, mitwirken. Menschen, die das tun nicht wie Sisiphos, immer wieder neu beginnend ohne sichtbaren Erfolg, sondern wie die Handwerker, die an einer riesigen Kathedrale bauen, die nie fertig wird; und nicht verzweifeln darob, dass sie nie in die grosse Geschichte eingehen werden.

Spuren hinterlassen, die Welt lebenswerter zu machen ist keinesfalls das Monopol der PolitikerInnen. Max Bütler hat sich denn auch standhaft geweigert, sich irgend einmal ein parteipolitisches Käppchen überziehen zu lassen. Das musste ich selbst vor vielen Jahren schmerzhaft erfahren. Politik, so Max, sei wichtig. Sie schaffe den Rahmen für konkretes Handeln, für Veränderung. Verändern aber – auch sich –, das müssten die Menschen selber tun. Dafür müsse man zupacken, dafür müsse man raus aus den Amtsstuben (nein, nein, er sei kein Beamtenhasser, im Gegenteil, solange sich diese insbesondere in der kantonalen Kulturabteilung und im Amt für Naturschutz , auf dem Meliorationsamt, auf dem Forstamt oder im Umweltschutzamt von der Qualität seiner Projekte überzeugen liessen und Geld herausrückten, seien diese durchaus nützlich), da brauche man Verbündete, und die finde man nur, wenn man offen bleibe und Gespräche führe und unterschiedliche Interessen zusammenbringe statt sie aufeinanderprallen und kostbare Energie zerstören zu lassen. Eine politische Etikette, und sei sie noch so farbig, könne die Verrichtung der notwendigen Arbeit – vorab auf dem Land – behindern. Ausserdem müsse das Ganze auch noch lustvoll sein. Er sei zwar durchaus ein politisch denkender Mensch, aber gewisse Erscheinungen in der Realpoltik seien im ein Gräuel und den Hund könne er auch nicht an Parteiversammlungen mitnehmen.

Natürlich hat Max Bütler eine solche Rede nie gehalten. Aber sie könnte in der Substanz von ihm sein und vor allem habe ich sie von vielen LuzernerInnen schon oft so gehört. Politik sei ein Dreckgeschäft und man engagiere sich lieber konkret, problembezogen und im Stillen für die Gemeinschaft. 
Ich kann Ihnen sagen, so still wie viele von denen für die Gemeinschaft arbeiten, das glaubt man gar nicht.

Ganz anders Max Bütler. Der arbeitet hör- und sichtbar. Da ertönt schon einmal eine Motorsäge, wenn es um von der Stiftung zur Schaffung und Erhaltung naturnaher Lebensräume in der Gemeinde Ruswil organisierte Pflegearbeiten im Moorgebiet von nationaler Bedeutung geht, da fahren Schaufelbagger auf, wenn (auf Geheiss von Max Bütler) Gewässer renaturiert oder Feuchtbiotope neu geschaffen werden, da ertönte Baulärm, als die InitiantInnen des Tropfsteikellers(darunter Max Bütler) Hand anlegten und den Grundstein für eines der lebendigsten Kulturzentren auf der Landschaft legten, da gab es bestimmt auch die eine oder andere etwas lautstarkere Auseinandersetzung, wenn das Aufführungsdatum für die Eigenproduktionen des Tropfsteivereins unter der Produktionsleitung von Max Bütler näher- aber die Proben oder der Kulissenbau nicht recht voran kamen.

"Den Lärm haben die andern gemacht, meine Kolleginnen und Kollegen, welche all das mit mir zusammen aufgebaut und realisiert haben", höre ich dich sagen. Das nehmen wir dir gerne ab Max. Aber heute ist Schluss, wenigstens für einen Tag, mit dem Wirken im Stillen und im Hintergrund und mit dem Bescheidensein. Ich weiss, dass du dich über diesen Preis freust, zusammen mit deiner Partnerin Jeanette und deinen Töchtern, die deine Arbeit unterstützt haben und deine Interessen zumindest teilweise teilen. Und die dabei sind, wenn du schon wieder an neuen Projekten mittust, etwa am Jugendtheaterprojekt des Tropfsteivereins (kleine Unterbrecherwerbung: Aufführungen im April) oder als Initiant auftritt, wie beim Projekt Einbau eines Behindertenlifts im Kulturraum am Märtplatz.

Aber recht hat er natürlich auch, der Max. Ohne das dichte Geflecht von Beziehungen, welches in der Dorfgemeinschaft Ruswil rund um all die von ihm initiierten und von ihm mitgetragenen Initiativen entstanden ist,
wäre Max Bütler kein Preisträger. Und deshalb dürfen auch all jene an dieser Ehrung teilhaben, welche auf die Anrufe von Max Bütler, ob man oder frau vielleicht Zeit habe, dann und dann, dort und dort, zu helfen, beispielsweise Frösche oder Amphibien an milden Märzabenden über eine stark befahrene Strasse zu tragen, ja gesagt haben, ganz einfach ja.

Max Bütler hat uns, seiner Mit- und Umwelt mit seinem unspektakulären Idealismus, wie es der Anzeiger vom Rottal in einer vorgezogenen Laudatio ausdrückte, viel gegeben. Wir haben viele Menschen wie ihn in unserem Kanton. Und deshalb ist mir auch – das zum vorhin offen gelassenen Punkt – vor der Gemeindereform nicht bange. Es gibt neben der öffentlich rechtlich verfassten Gesellschaft glücklicherweise eine Zivilgesellschaft, die wir Politiker oft zu wenig zur Kenntnis nehmen. Eine Gesellschaft, die zwar auch nicht ohne demokratisch beschlossene politische Rahmenbedingungen auskommt, deren Beitrag an die Gesellschaft aber nicht von unverrückbaren Gemeindegrenzen abhängt. Mitglieder unserer Gesellschaft, die Bestehendes mit Lust in Frage stellen, denen Veränderung nicht Angst macht und die doch in ihrem Umfeld selbst tief verwurzelt sind, für uns Heimat schaffen und Verantwortung übernehmen

Am Beginn deines Engagements für die Natur standen die in den Augen vieler Mitmenschen schädlichen oder grusligen Schlangen, die du vor allzu wehrhaften Lagerleitern im Tessin schütztest. Das Image dieser verkannten Tiere zu verbessern, ist dir ein Anliegen geblieben. Und so willst du dein Preisgeld dafür verwenden, Anschauungs- und Arbeitsmaterial zum Thema Schlangen zu erarbeiten. Max, du bleibst dir treu. Ich danke dir herzlich für deinen Einsatz und wünsche uns allen, kulturell und Natur-Interessierten, dass wir noch oft von neuen Projekten hören, die unsere Lebensqualität nachhaltig verbessern.

Paul Huber, Willisau 14. Dezember 2001

Stiftung Luzern - Lebensraum für die Zukunft

  

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