Lebensraum-Preis 2001

Preisverleihung der Stiftung "Luzern – Lebensraum für die Zukunft"

Willisau, 14. Dezember 2001, 18.00 Uhr
   

Ems Troxler Max Bütler
Ems Troxler Cécile Malevez
mit Stiftungsrat Erich Langjahr
Max Bütler

Begrüssungsansprache von Beat Bucher, Präsident des Stiftungsrats


Liebe Preisträgerinnen, lieber Preisträger
Meine Damen und Herren

Im Namen der Stiftung "Luzern – Lebensraum für die Zukunft" heisse ich Sie herzlich willkommen – zur feierlichen Verleihung der Lebensraum-Preise 2001 in diesem stimmungsvollen Theatersaal des schmucken Städtchens Willisau. Wir vom Stiftungsrat sind zwar heute die Gastgeber, aber irgendwie fühlen wir uns – in einem solchen Ambiente – selber als Gäste. Das mag auch daher rühren, dass wir mit unserer Preisvergabe jeweils ein Geschehen anstiften, das uns spätestens an der Feier selber derart übersteigt, dass wir es nicht mehr kontrollieren, sondern nur mehr Teil davon sind. Und in der Mitte des Geschehens sind wir ja ohnehin nicht – dort stehen heute Frau Ems Troxler, Frau Cécile Malevez und Herr Max Bütler. Es freut mich sehr, dass wir alle – der Stiftungsrat und die zahlreich erschienenen Freunde und Bekannten – heute abend Ihre Zaungäste, die Zaungäste Ihrer Feier, sein dürfen.

Bevor wir für den Rest des Abends den Scheinwerfer vollends auf Ihre Seite des Zauns richten, möchte ich eingangs ein paar Worte zur Lebensraum-Stiftung und ihrem Selbstverständnis sagen und – daraus abgeleitet – die Wahl der diesjährigen Preisträgerinnen begründen. Und dies, weil noch viel gesagt werden will heute abend, in der gebotenen Kürze.

Es gibt mächtige Stiftungen, es gibt ehrwürdige Stiftungen, es gibt steinreiche Stiftungen und verlotterte Stiftungen – wir sind, würde ich sagen, eine glückliche Stiftung. Glücklich, weil unser Stifter – der Grosse Rat des Kantons Luzern – uns in einer glücklichen, nämlich finanziell rosigeren Zeit erfunden hat (um 1990, ich denke: zwei Jahre später, und es gäbe uns nicht!), glücklich, weil Geld für uns kein Thema ist (wir haben ja, was wir brauchen), glücklich, weil wir die schöne Aufgabe haben, "einfach" Preisträger zu finden, die den Lebensraum-Preis verdienen, und glücklich nicht zuletzt, weil die Stiftung sozusagen im Takt jährlicher Preisverleihungen gegenwärtig ist – uns gibt es nie allein, immer nur zusammen mit Preisträgern. Das hat natürlich auch eine anspruchsvolle Seite: Da wir uns selber nie genug sein können, nimmt die Idee von Lebensraum, die wir verbreiten möchten, nur Gestalt an, wenn wir Personen finden, die sie durch ihr Tun verkörpern oder durch ihre Vorhaben verwirklichen wollen. Wir sind preisträgerabhängig. Diese schöne Abhängigkeit pflegen wir, indem wir den Lebensraum-Preis jährlich wechselnd als Anerkennungs- und als Förderpreis verleihen. 

Die Qual der Wahl ergibt sich vor allem aus der anspruchsvollen Zielsetzung des Stiftungsrats. Ausgehend von der Beobachtung, dass der Lebensraum auch im Kanton Luzern sich immer mehr aus einer Vielzahl eigensinniger, auf sich selbst bezogener und sich voneinander abgrenzender Lebensräume zusammensetzt (die Kulturszene, der Sport, die Jugendszene, die Ökobewegung, die politische Bühne, die Wirtschaftswelt u.a.), fühlen wir uns berufen, unser Augenmerk besonders auf zwei Dinge zu richten: Personen und ihre Projekte anzuerkennen und zu fördern, die 

1. grossen Wert legen auf die gemeinschaftliche, gesellige und zwischenmenschliche Dimension der Lebensraum-Gestaltung und

2. besondere Anstrengungen unternehmen, Verbindungen zwischen den erwähnten Lebensräumen herzustellen und so dem Auseinanderdriften von kultureller, sozialer, ökonomischer und ökologischer Welt gezielt und ganzheitlich entgegenzuwirken.

Das tönt – ich bin es mir bewusst – nach gar grossen Worten für eine bescheidene Stiftung; aber gemeint sind Prozesse, die im Kleinen vor sich gehen und zunächst im Kleinen gelingen müssen. Wir alle wissen aus Erfahrung, dass diese Herausforderungen auch im Kleinen grosse Aufgaben sind.

Die Stiftung verleiht ihren Lebensraum-Preis 2001 an drei Personen, die sich in diesem ganzheitlichen Sinne seit vielen Jahren sozial, kulturell und ökologisch engagieren, nicht selten über gewohnte Grenzziehungen hinweg. Sie tun dies beharrlich, uneigennützig und menschenfreundlich. Sie suchen dabei nicht das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, sondern arbeiten als stille Schaffer im Hintergrund. Mit diesem unspektakulären Idealismus sind sie Wegbereiterinnen und Wegbereiter für ein ganzheitliches und innovatives Verständnis von Familie, Kultur und Naturschutz, sie spinnen und ziehen an jenen unsichtbaren Fäden, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, und sie tragen kreativ dazu bei, die bedrohten Lebensräume unseres Alltags lebendig zu erhalten oder wieder zu beleben.

2001 ist das UNO-Jahr der Freiwilligen. Daher hatten wir uns im Stiftungsrat vorgenommen, den diesjährigen Lebensraum-Preis daran zu orientieren und nach passenden Preisträgerinnen und Preisträgern Ausschau zu halten. Fast wäre es uns geglückt. Aber es wäre zu einfach und zu wenig schön gewesen. Frau Malevez hat verhindert, dass wir uns im Windschatten der UNO bequem weiterem Nachdenken entzogen, sie hat uns – ohne dass sie davon wusste – gezwungen dazuzulernen; anders als Max Bütler oder Ems Troxler kann sie nämlich mit Sicherheit nicht als Freiwillige im klassischen Sinne gelten – die Tätigkeiten, für die sie heute geehrt wird, waren für sie stets auch Erwerbstätigkeiten – ob ganz oder in Teilen, entzieht sich unserer Kenntnis (es spielt hier auch gar keine Rolle). Zum freiwilligen Einsatz gehört aber per definitionem die Unentgeltlichkeit. 

Da merkten wir, dass uns am Engagement der drei Preisträger nicht der Umstand besonders verdienstvoll erscheint, dass sie dabei kein Geld verdienen (das beeindruckt uns auch). Vielmehr finden wir anerkennungswürdig, mit welcher Haltung und Konsequenz sie ihre in jedem Fall gemeinnützige Arbeit lancieren, verfolgen und weiterentwickeln. Unspektakulärer Idealismus war dann die Formel, auf die wir uns im Stiftungsrat geeinigt haben. Unspektakuläre Idealistinnen und Idealisten riskieren, die öffentliche Anerkennung doppelt zu verfehlen, auch wenn sie sie noch so sehr verdienten: Zum einen – das liegt auf der Hand – wegen ihrer Art, nicht viel Aufhebens zu machen von ihrem persönlichen Engagement, vielmehr aufzugehen in den Anliegen, die sie vertreten, ja verkörpern. Zum andern haben heute eher Realisten und Pragmatiker und nicht Idealistinnen Konjunktur: Idealistinnen und Idealisten, Menschen also, die die Wirklichkeit nicht schon für ideal und fertig halten, sondern ihr noch etwas hinzufügen, der Gesellschaft etwas zutrauen wollen, solche Menschen – ohnehin wenn sie ihrer Sache im öffentlichen Raum Nachdruck verschaffen wollen – treffen dort häufig zuerst auf Skepsis, viel später vielleicht auf Zustimmung. Für das Gängige ist der Idealismus die schlichte Zumutung. Diese doppelte Hürde – unspektakulär und ideenfixiert zu sein – auf dem Weg zu öffentlicher Anerkennung räumt die Lebensraum-Stiftung heute abend beiseite.

In diesem Sinne möchte die Lebensraum-Stiftung mit der diesjährigen Preisverleihung ein Zeichen setzen und Sie als erste, liebe Preisträgerinnen, lieber Preisträger, aber danach auch alle, die sich mit Ihnen und Ihrer vorbildlichen Haltung geistes- und seelenverwandt fühlen, zu einer unerschrockenen Fortsetzung ihres Tuns ermutigen. 

Darum werden wir nun konkret und gehen über zu den drei Laudationes, in denen Ihr bisheriges Tun gepriesen werden soll. Wir sind glücklich, drei profilierte Laudatoren gefunden zu haben, die sich aus ihrer eigenen Optik den drei Persönlichkeiten nähern. Für ihre spontane Bereitschaft, ihren Teil zu unserem Preis beizutragen, danke ich jetzt schon herzlich.

Ihnen allen danke ich für die Aufmerksamkeit.

Beat Bucher

Präsident des Stiftungsrats

 

Stiftung Luzern - Lebensraum für die Zukunft

  

Zum Seitenanfang  |  homepage QUER